1867 · Köhler
Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande
Johann August Ernst Köhler
Mit einem Anhange: Ethnographisches (Leipzig, Verlag von Fr. Fleischer)

Kurzbeschreibung
Das 1867 erschienene Werk des Schneeberger Oberlehrers Johann August Ernst Köhler gilt als die wissenschaftlich fundierteste und umfassendste volkskundliche Bestandsaufnahme des Vogtlandes im 19. Jahrhundert. Köhler beschränkt sich nicht auf Erzählungen, sondern dokumentiert das gesamte Alltags-, Glaubens- und Brauchtumsleben der Bevölkerung vor dem Einsetzen der tiefgreifenden Industrialisierung.
Inhaltliche Schwerpunkte
- Lebenslauf und Jahreskreis: Detaillierte Darstellung traditioneller Riten rund um Geburt, Taufe, Hochzeit und Tod sowie jahreszeitliche Bräuche (Lichtmess, Fastnacht, Ostern, Johannistag, Kirmes, Heiligabend und Raunächte).
- Volksglaube und Mythologie: Geister- und Dämonenglaube, Hexenwesen, Zauberei, Vorbedeutungen, Schutzmittel sowie überlieferte Segens- und Heilformeln.
- Sagenschatz: Eine systematisch geordnete Sammlung regionaler Sagen – unter anderem über Natur- und Ortsgeister (Moosleute, Zwerge, Wassergeister), Spukgestalten, versunkene Schlösser, verborgene Schätze und historische Begebenheiten.
- Ethnographischer Anhang: Wertvolle Beschreibungen zur damaligen vogtländischen Mundart, zu Trachten, Sprichwörtern, Rätseln, Kinderreimen und Liedern.
Bedeutung für die Region
Köhlers Werk ist ein unverzichtbares Grundlagenwerk. Es zeichnet sich durch genaue Ortsangaben und quellenkritische Sorgfalt aus und bewahrt Bräuche und Überzeugungen, die im modernen Alltag längst verschwunden sind.

