K070 · Köhler · 1867 · Oelsnitz/Vogtl.

Der Otterkönig bei Oelsnitz

Ein Ritter raubt dem sagenhaften Otterkönig bei Oelsnitz sein goldenes Krönlein und flieht vor einem Heer herbeigerufener Schlangen durch die Weiße Elster. Schon glaubt er sich gerettet – doch eine letzte Otter hat sich unbemerkt im Schweif seines Pferdes verborgen.

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Überlieferung

Die Sage

70. Der Otterkönig bei Oelsnitz. J. Schanz in Gräßes Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Nr. 606.)

Manche wollen den Otterkönig sammt seinem güldenen Krönlein selbst gesehen haben. Dies Krönlein kann man gewinnen, wenn ein weißes Tuch ausgebreitet wird, auf das es dann der Otternkönig legt, doch muß man eilig damit davon laufen, oder noch besser reiten.

Der schlangenförmige Otterkönig legt sein goldenes Krönlein auf ein weißes Tuch am Ufer der Weißen Elster bei Oelsnitz.

Ein Ritter hatte die Krone des Otternkönigs, nach der lange sein Begehr gestanden, glücklich in seinem weißen Tüchlein und saß schon auf dem Pferde, als der Otternkönig den Diebstahl gewahrte und so laut pfiff, daß überall die Ottern hervorsprangen und dem Reiter nacheilten.

Ein Ritter flieht mit dem geraubten Krönlein, während der Otterkönig pfeift und zahlreiche Schlangen die Verfolgung aufnehmen.

Um dieser gefährlichen Verfolgung zu entgehen, sprang er in die Elster und schwamm hindurch. Wohlbehalten kam er in seiner Behausung an und freute sich des gelungenen Raubes. Als er aber in den Stall ging, um nach seinem Pferde zu sehen, wand sich aus dem Schweife desselben eine Otter los, die sich hineingehängt hatte, und stach ihn, daß er sterben mußte. So wurde der Raub des Krönleins sein Verderben.

Im Stall löst sich eine verborgene Schlange aus dem Schweif des Pferdes, während der Ritter erschrocken zurückweicht.

Anmerk. Vergleiche Haupt, Sagenbuch der Lausitz, Nr. 82, 83 und 54. Ueberall kann die goldene Krone des Schlangenkönigs oder der Schlangenkönigin durch ein ausgebreitetes weißes Tuch erworben werden. Haupt bemerkt dazu: Die weiße Farbe übt auf die Repräsentanten der Finsterniß einen zwingenden und siegreichen Zauber aus, so daß sie ihre Schätze opfern müssen. — Durch einen Pfiff des Königs werden die übrigen Ottern herbeigerufen. Nach einer schleswig-holsteinischen Sage schrie der Schlangenkönig so entsetzlich, daß das Mädchen, welches seine Krone geraubt hatte, taub wurde. Müllenhof, schleswig-holsteinische Volkssagen, Nr. 474.) — Die Krone des Schlangenkönigs ist nach der Sage immer von großem Werthe. — Die Schlangen haben auch Kunde von unterirdischen Schätzen. Bergl. Grimm, Deutsche Sagen, 2. Aufl. Nr. 433.

Die Sage auf einen Blick

Visuelle Zusammenfassung der Sage vom Otterkönig, dem Raub seiner goldenen Krone, der Schlangenverfolgung und der späten Rache im Stall.

Verstehen und nachschlagen

Zur Überlieferung

Schauplatz

Heutiger Ort
Oelsnitz/Vogtl.

Historische Zuordnung

Gebiet / Amt
Amt Voigtsberg

Sammlung und Autor

Autor
Johann August Ernst Köhler
Sammlung
Köhler
Werk
Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande
Jahr
1867
Legacy-ID
K070

Quellen

Johann August Ernst Köhler – Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande

Johann August Ernst Köhler: Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande, Leipzig 1867, Nr. 70 „Der Otterkönig bei Oelsnitz“. Quellenhinweis: J. Schanz in Gräßes Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Nr. 606.