Überlieferung
Die Sage

86. Die Teufelskammer in der Pfarre zu Brambach. (Metriich behandelt von Fr. Rödiger in: Sagenklänge des obern Voigtlands, S. 70ff. $. Schanz in Gräßes Sagenfhat Nr. 598.)
In die Pfarre zu Brambach kam einst um die Mitternacht durch den Schlot der Teufel hereingefahren und frug nach dem Pfarrherrn. Die alte treue Magd meldete dem Pfarrer diese Kunde und der befahl, den Teufel nur zu ihm hereinzuführen. Da setzte sich der Teufel ohne Umstände an des Pfarrers Bett, wie wenn er in jenem alten Großvaterstuhle in der Hölle säße und begann mit dem Pfarrer ein langes Examen. Dieser aber hatte das Herz auf dem rechten Flecke und wußte dem Teufel, der immer neue Spitzfindigkeiten zu Tage brachte, trefflich zu antworten. Zuletzt frug er: „Wie lehrt man in Deutschland am besten das Christenthum?“ Diese Frage machte dem Pfarrer doch einiges Bedenken, er sann hin und her, und der Böse freute sich schon des Sieges. „Kannst du mir auf diese Frage nicht Rede stehen, so ist diese Kammer mein Eigenthum und kein Mensch soll sie ohne Zagen betreten.“ — Die Gedanken des Pfarrers verwirrten sich immer mehr, und es litt ihn nicht mehr am Orte, er mußte sein Schlafgemach verlassen und konnte nie bis an sein Ende wieder darin Schlafen.

Die Geschichte ward bald ruchbar im Lande und es wollte sich nach des Pfarrers Tode Niemand zur Verwaltung seines Pfarramts finden lassen, als zu Wittenberg Doctor Luther mit seinen 95 Sätzen auftrat und viel deutsche Stämme seiner Lehre zufielen. Auch die Bewohner von Brambach, die unterdessen einen jugendlichen Seelenhirten gewonnen hatten, neigten sich zu der neuen Lehre hin, welche ihnen der rüstige Pfarrer mit seinen Worten erklärte. Dieser hatte natürlich die Geschichte von dem Teufelsspuk auch gehört und voll von Begeisterung für seinen Glauben wollte er dem Teufel, wenn er käme, auf jegliche Frage Bescheid thun. Er ließ daher sein Bette in die Teufelskammer bringen und schlief darin. Schon in der ersten Nacht erschien der verrufene Besuch und das Examen begann wie bei dem seligen Herrn Pfarrer. Wiederum frug der Teufel zulezt: „Wie lehrt man in Deutschland am besten das Christenthum?“ „Deutsch!“ rief der junge Pfarrer so laut und kräftig, im Bewußtsein, daß er das Rechte getroffen, daß der Teufel vor diesem einzigen Worte jach in sich zufammenfuhr. Nachdem er sich von dem Schrecken etwas erholt hatte, bot er dem Pfarrer Versöhnung an und wollte sich mit ihm auf dem Wege des Vertrags abfinden, wenn er ihm verstatten wolle, die Kammer mit zu bewohnen; aber der Pfarrer wollte nichts von ihm wissen.

„Hebe dich weg, Satan!“ rief er mit gottesfreudigem Munde, griff nach seiner Bibel und wollte den Teufel darniederstrecken. Dieser aber fuhr, da er die Kammerthür verschlossen fand, durch die Mauer und floh von dannen. Die Lücke, durch die er hinausfuhr und die Stellen im Kalk, wo er seine Krallen eingedrückt hatte, sollen noch vor ganz kurzer Zeit zu sehen gewesen sein.
Anmerk. Die Sage deutet eine neue Zeitanschauung an; Die alten Vorstellungen und Ueberlieferungen sind gebrochen, deutsches Wesen hat die Oberhand gewonnen.
Die Sage auf einen Blick

Verstehen und nachschlagen
Zur Überlieferung
Schauplatz
- Heutiger Ort
- Bad Brambach
Historische Zuordnung
- Gebiet / Amt
- Amt Voigtsberg
Sammlung und Autor
- Autor
- Johann August Ernst Köhler
- Sammlung
- Köhler
- Werk
- Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande
- Jahr
- 1867
- Legacy-ID
- K086
Quellen
Johann August Ernst Köhler – Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande
