K111 · Köhler · 1867 · Kapellenberg bei Schönberg (Bad Brambach)

Die weiße Frau bei der Tränke am westlichen Abhange des Kapellenberges

Am Kapellenberg bei Schönberg soll eine Nonne ihr Kind in einem einsamen Teich ertränkt haben. Als sie später auf den Rat ihres Geliebten dort „in des Teufels Namen“ ihr Gesicht wäscht, beginnt eine Buße, die selbst mit ihrem Tod nicht endet.

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Überlieferung

Die Sage

111. Die weiße Frau bei der Tränke am westlichen Abhange des Kapellenberges. (Metr. von F. Rödiger in „Sagenklänge des oberen Voigtlands“, S. 18. Bearb. v. J. Schanz in Gräßes Sagenschatz, Nr. 597.)

In dem Kloster auf dem Kapellenberge soll einst eine Nonne gelebt haben, die ein schweres liebes Leid auf dem Herzen trug und oft bis zur Mitternacht vor dem Altar auf den Knieen lag, um Vergebung ihrer Sünden zu erflehen. Einst, als sie auch im Gebete lag, flog ein Pfeil durch die Fenster, ihr ein Zeichen des Stelldichein.

Eine Nonne kniet nachts in der Kapelle am Kapellenberg, während ein Pfeil als heimliches Zeichen ihres Geliebten durch das Fenster gelangt.

Sie konnte auch diesmal nicht widerstehen und schlich leise durch die Klosterpforte an den Teich hinaus, wohin sie so oft gegangen, und harrte dort des Buhlen, der sich bald durch die Zweige Bahn brach. Er fand die Nonne in glühendem Wahnsinn mit den Fluthen sprechen, in welche sie ihr Kind geworfen und forderte sie auf, das Kloster endlich zu verlassen und sein Weib zu werden.

Am dunklen Teich des Kapellenberges trifft die verzweifelte Nonne ihren Geliebten und blickt schuldbewusst auf das Wasser.

„Tauche“, sprach er, „deine Hände in das Wasser und wasche dein Gesicht damit, so wird dein Herz Ruhe finden. In des Teufels Namen, wasche dich!“ — Die Nonne that, wie ihr geheißen war. Sie kehrte nicht wieder zum Kloster zurück, sondern floh mit dem Geliebten ins Fichtelgebirge auf die Luchsenburg, woselbst er hauste, und lebte mit ihm dort ein gottvergessenes Leben. Als aber ihre Sterbestunde kam, hörte sie eine Stimme rufen: „Am Teich, in dem dein Kindlein ruht, sollst du dich fort und fort in des Teufels Namen waschen, bis zum jüngsten Gerichte!“ — So geht denn ihr Geist noch um bis auf diesen Tag, und Mancher hat in stiller Mitternachts— Stunde die weiße Frau gesehen, wie sie am Teiche hinschreitet, und gehört, wie sie in den Wellen plätschert und ihr Antlitz wäscht.

Die weiße Frau wäscht in einer stillen Mitternachtsstunde ihr Gesicht im dunklen Teich am Kapellenberg.

Der Teich heißt gegenwärtig nur die Tränke, da die Bauern daselbst ihr Vieh zur Tränke führen, wenn sie auf den Feldern beschäftigt sind.

Die Sage auf einen Blick

Visuelle Zusammenfassung der Sage von der Nonne am Kapellenberg, dem geheimen Stelldichein und ihrer ewigen Wiederkehr als weiße Frau an der Tränke.

Verstehen und nachschlagen

Zur Überlieferung

Schauplatz

Heutiger Ort
Kapellenberg bei Schönberg (Bad Brambach)

Historische Zuordnung

Gebiet / Amt
Amt Voigtsberg

Sammlung und Autor

Autor
Johann August Ernst Köhler
Sammlung
Köhler
Werk
Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande
Jahr
1867
Legacy-ID
K111

Quellen

Johann August Ernst Köhler – Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande

Johann August Ernst Köhler: Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andre alte Ueberlieferungen im Voigtlande, Leipzig 1867, Nr. 111 „Die weiße Frau bei der Tränke am westlichen Abhange des Kapellenberges“.