K120 · Köhler · 1867 · Klingenthal

Der Köhler von Klingenthal

Nacht für Nacht zieht ein Köhler aus Klingenthal hinaus in den Wald. Doch hinter seinen heimlichen Wegen verbirgt sich ein dunkles Geheimnis – und ein Fluch, der selbst mit seinem Tod kein Ende findet.

Sagenort ansehen

Überlieferung

Die Sage

Ein dunkel gekleideter Mann mit Laterne geht nachts durch einen Friedhof.

120. Der Köhler von Klingenthal. (Metr. bearb. v. Hagen in Voigtl. Sagen, II. S. 13. Darnach in Gräße, Sagenschatz, Nr. 565.)

Vom Kirchhofe zu Klingenthal bis an den naheliegenden Wald geht jede Nacht um die zwölfte Stunde ein gespenstischer Schatten mit einer Leuchte in der Hand. Das Volk erzählt sich hierüber folgende Geschichte: Es soll einst in Klingenthal ein Köhler gewohnt haben, der jede Nacht von der Seite seiner treuen Hausfrau aufstand, um angeblich im Walde nach seinen Meeiler zu sehen. Die wahre Ursache war aber, daß er im Busche zu einer dort wohnenten Concubine schlich. Einst ging er auch in finstrer Nacht, die Leuchte in der Hand, den wohlbekannten Weg, da folgte ihm sein Weib, das er Schlafend glaubte, und warf ihm geradezu sein Vergehen vor.

Eine Frau stellt einen älteren Mann in einem düsteren Raum zur Rede; eine weitere Person steht erschrocken dahinter.

Er wollte es zwar anfangs leugnen, allein bald gab ein Wort das andere, er ward heftig, schlug seine rechtschaffene Frau nieder und begab sich zu seinem Kebsweibe. Als er mit dieser im besten Kosen begriffen war, öffnete sich plötzlich die Thüre und sein Weib stürzte herein und traf die Schuldigen auf offener That. Jetzt halfen keine Verstellungen mehr, er mißhandelte sie abermals und warf sie zur Thür hinaus mit der Drohung, sie in den brennenden Meiler zu schleudern, wenn sie ihm wieder zu nahe komme.

Ein Mann steht nachts auf einem glühenden Kohlenmeiler im Wald.

Sie aber verfluchte ihn und rief: „Der Meiler werde dir selbst zum Grabe, mögest du lebendig verbrennen!“ Deß lachte der Köhler, als er aber nach seiner Gewohnheit den Meiler erklomm, um sich umzuschauen , stürzte dieser plötzlich zusammen und der Frevler versank in seinen feurigen Schlund.

Die Sage auf einen Blick

Infografik: Ein Köhler besucht nachts eine andere Frau, misshandelt seine Ehefrau nach der Entdeckung und kommt nach ihrem Fluch am Meiler ums Leben.

Verstehen und nachschlagen

Zur Überlieferung

Schauplatz

Heutiger Ort
Klingenthal

Historische Zuordnung

Gebiet / Amt
Amt Voigtsberg

Sammlung und Autor

Autor
Johann August Ernst Köhler
Sammlung
Köhler
Werk
Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande
Jahr
1867
Legacy-ID
K120

Quellen

Johann August Ernst Köhler – Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande

Quelle: Johann August Ernst Köhler, Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande, 1867, Nr. 120 „Der Köhler von Klingenthal“. Originaltext 1:1 nach dem gegen die Quelle geprüften Datensatz K120. Kartenhinweis: Der Kartenpunkt markiert den historischen Kirchen- und Kirchhofbereich von Klingenthal als räumlichen Anker der Sage. Er bezeichnet nicht den exakten Weg des ruhelosen Köhlers und nicht den genauen Standort des Kohlenmeilers.

Der Köhler von Klingenthal | Vogtland-Sage