K159 · Köhler · 1867 · Bad Brambach

Von einem alten Brauburschen zu Brambach

Ein durstiger Braubursche wird in Brambach vom Braumeister verspottet. Aus Rache mischt er heimlich ein Kraut in die Maische – und am nächsten Morgen hängt das verschwundene Bier mitten im Sommer als braune Eiszapfen unter dem Dach.

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Überlieferung

Die Sage

159. Von einem alten Brauburschen zu Brambach. (Metrisch in Fr. Rödiger, Sagenklänge des obern Voigtlands, S. 78. Darnach bearbeitet von J. Schanz in Gräßes Sagenschatz, Nr. 600.)

Zu Brambach am Markte stand einst ein Brauhaus und davor ein großer Wasserbottich. Einst sprach daselbst ein Braubursche ein, um das Handwerk zu begrüßen und einen Trunk zu begehren, da ihn sehr dürstete. Der Meister aber, der eben die Maische rührte, rief hohnlachend: „Ein klopfender Stromer muß etwas vertragen können!“

Ein durstiger wandernder Braubursche wird vom Brambacher Braumeister am Maischbottich verspottet.

— Das verdroß den Wanderer sehr, und er sann auf Rache. Scheinbar ruhig sagte er: „Kann schon eine Weile warten!“ legte Bündel und Rock im Brauhause nieder und ging in den Garten, um sich ein Kraut zu pflücken, mit dem er dem Braumeister das Bier verderben wollte. Dann kam er wieder ins Brauhaus und erbot sich gegen diesen, an seiner Statt die Maische zu rühren. Das war dem Meister eben recht, denn er hatte etwas im Dorfe zu besorgen und übergab deshalb dem Burschen sofort den Rührpfahl. Ehe ihm die Frau Meisterin das Frühstück brachte, hatte er bereits seinen Hokuspokus gemacht und das Kraut unter die Maische gethan,

Während er die Maische rührt, mischt der gekränkte Braubursche heimlich ein frisch gepflücktes Kraut darunter.

und als nun die Frau Meisterin kam, rief er ihr lachend entgegen: „Das Bier wird gewiß recht steigen, das ich euch braue, denkt an mich!“ Er verabschiedete sich, nachdem er sein Frühstück verzehrt, und der Meister ließ nach seiner Rückkehr das Bier unbedenklich aus den Kufen heraus und ging zu Bette. Als er aber am andern Morgen an die Kufen trat, war das Bier gänzlich verschwunden und mit Grausen gewahrte er, daß es über ihm, an Balken und Dach, in langen braunen Eiszapfen herabhing, mitten in der Sommerhitze also gefroren war.

Am Morgen findet der Braumeister die Kufen leer, während das Bier als lange braune Eiszapfen von Balken und Dach hängt.

Das währte drei Monate lang, bis ein kluger Mann den bösen Zauber bannte und das Bier wieder herabträufelte.

Die Sage auf einen Blick

Visuelle Zusammenfassung der Brambacher Sage vom verspotteten Brauburschen, dem Kräuterzauber in der Maische und dem mitten im Sommer gefrorenen Bier.

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Zur Überlieferung

Schauplatz

Heutiger Ort
Bad Brambach

Historische Zuordnung

Gebiet / Amt
Amt Voigtsberg

Sammlung und Autor

Autor
Johann August Ernst Köhler
Sammlung
Köhler
Werk
Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande
Jahr
1867
Legacy-ID
K159

Quellen

Johann August Ernst Köhler – Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande

Johann August Ernst Köhler, 1867, Nr. 159.