K173 · Köhler · 1867 · Oelsnitz/Vogtl.

Der Schatz in der Strecke bei Oelsnitz

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Überlieferung

Die Sage

Ein kranker Mann liegt im Bett, während eine kleine graue Gestalt neben ihm erscheint.

173. Der Schatz in der Strecke bei Oelsnitz. (Mitgetheilt vom Mädchenlehrer Sammler in Oelsnitz.)

In Oelsnitz lebte im vorigen Jahrhunderte ein Mann, namens Fölk. Zu dessen Bette kam in der Nacht ein graues Männchen und sagte: „Geh mit mir.“ Aber Fölk ging nicht, auch nicht, als das Männlein zum zweiten Male kam. Doch erzählte er den Vorfall einem Andern, der ihm den Rath gab: „Wenns wieder kommt, so gehe mit.“ Das Männchen kam wirklich zum dritten Male; Fölk kleidet sich deshalb an, bindet auch seine Schürze um und geht mit. Das Männchen führt ihn nun in einen Garten dicht außerhalb der Oelsnitzer Stadtmauer, in großer Nähe des jetzigen Gerichtshauses, und zwar auf die ebene „Strecke“ des Gartens, wo ein Seiler seine Waaren drehte. An einem Orte „der Strecke“ lag eine Steinplatte und zugleich ein großer, schwarzer Hund, der aber ruhig blieb. Als sich die Steinplatte in die Höhe that, war ein eingelassener, mit Geld gefüllter Kessel zu sehen, und das graue Männchen giebt dem Fölk zu verstehen, er möge nun von dem Inhalte des Kessels in seine Schürze fallen, so viel er fortbringen könne. Derselbe that es.

Ein Mann mit Zylinder steht nachts neben einem schwarzen Hund und einem Kessel voller Münzen in Oelsnitz.

Als er genug hatte und seinen Rückweg antrat, mußte er wieder, wie dies auf dem Hinwege bereits geschehen war, über einen Zaun steigen, was ihm auch glücklich gelang. Da hörte er sich bei seinem Taufnamen „Gottlob“ ein-, zweimal rufen, ohne zu antworten. Als es aber zum dritten Male rief, entfuhr ihm ein „Was denn?“, und plötzlich wurde ihm seine Schürze ganz leicht; der Schatz war ihm so weit entschwunden, daß er bei der Ankunft in seiner Wohnung nur noch zwei oder drei Zwanzigkreuzer in der Schürze hatte.

Ein Mann steht nachts auf einem nebligen Weg an einer Steinmauer und blickt zurück.

Die Sage auf einen Blick

Infografik: Fölk begegnet dreimal einem grauen Männlein, findet bei Oelsnitz einen bewachten Geldkessel und verliert den Schatz durch seine Antwort.

Verstehen und nachschlagen

Zur Überlieferung

Schauplatz

Heutiger Ort
Oelsnitz/Vogtl.

Historische Zuordnung

Gebiet / Amt
Amt Voigtsberg

Sammlung und Autor

Autor
Johann August Ernst Köhler
Sammlung
Köhler
Werk
Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande
Jahr
1867
Legacy-ID
K173

Quellen

Johann August Ernst Köhler – Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande