K209 · Köhler · 1867 · Voigtsberg (Oelsnitz/Vogtl.)

Ursprung des Schlosses Voigtsberg

Eine alte Inschrift auf Schloss Voigtsberg erzählte von einem erstaunlichen Ursprung: Der römische Feldherr Drusus habe die Burg gegründet – und von diesem „Römisch Voigt“ seien schließlich Voigtsberg und sogar das Vogtland zu ihren Namen gekommen.

Sagenort ansehen

Überlieferung

Die Sage

209. Ursprung des Schlosses Voigtsberg. (Jahn, Chronik d. Stadt Oelsnitz, S. 105. Darnach in Gräße, Sagenschatz, Nr. 558.)

Das alte Schloß Voigtsberg bei Oelsnitz soll ursprünglich vom Drusus erbaut worden sein, wie aus einem an der Wand der ehemaligen Amtsstube befindlichen lateinischen Distichon hervorzugehen schien, das also lautet:

Der Sage nach lässt der römische Feldherr Drusus auf dem Voigtsberger Burgberg eine Befestigung anlegen.

Castra locans Drusus, hic praetoria nomina monti Fecit, posteritas servat et ipsa sibi.

In der ehemaligen Amtsstube von Schloss Voigtsberg wird die alte lateinische Inschrift betrachtet, die als Beleg für die Drusus-Sage galt.

Diese Verse hat vor langer Zeit ein deutscher Reimschmied am Schloß also wiedergegeben:

Drusus der edle Römisch Voigt, Erbawet diesen Berg in Noht, Da er Kriege im Deutschland pflag, Voigtsberg heist er auff diesen Tag, Darnach ward von jhm recht genant Die Gegend, und heist Voigtland. Die Burg die blieb eine lange Zeit, Wie durch die Schrift wird ausgefeit, In des Römischen Keisers Gewalt, Hernach wurde sie zugezalt, Einer edlen Herrschaft lobesan, Die gewan von Voigtsberg ihrn Nam, Die Burg die stund viel manche Jahr In ihrer (der Herren von Plauen) Hand ohn all Gefahr. Biß dreyzehnhundert Jahr nach Christi Geburt, Sechs und funffzig, am Sontag Laurenti fuhrt Dann ist sie an die Landesfürsten kommen; Friedrich und Wilhelm haben sie eingenommen (1356).

Eine mittelalterliche Burg auf dem Voigtsberg erinnert an die Herren von Plauen und den im alten Reim überlieferten Herrschaftswechsel.

Thüring, Meißen und Osterland Stund die Zeit als in ihrer Hand, Die Pfaltz zu Sachsen auch dazu, Sie erhilte den Landen Fried und Ruh, Gott in welchs Händen alles steht, Wohl segnen ihr Posteritet.

Die Sage auf einen Blick

Visuelle Zusammenfassung der Voigtsberg-Sage mit Drusus, der alten Inschrift und der späteren mittelalterlichen Burg.

Verstehen und nachschlagen

Zur Überlieferung

Schauplatz

Heutiger Ort
Voigtsberg (Oelsnitz/Vogtl.)

Historische Zuordnung

Gebiet / Amt
Amt Voigtsberg

Sammlung und Autor

Autor
Johann August Ernst Köhler
Sammlung
Köhler
Werk
Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande
Jahr
1867
Legacy-ID
K209

Quellen

Johann August Ernst Köhler – Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande

Johann August Ernst Köhler, 1867, Nr. 209. Jahn, Chronik der Stadt Oelsnitz, S. 105; danach Gräße, Sagenschatz, Nr. 558.