Überlieferung
Die Sage

321. Das weinende Kind im Stollen zu Magwitz. (Mitgetheilt vom Lehrer Lange in Planschwitz.)
Der „Stollen“ ist ein Wald bei Magwitz, in welchem früher Schächte, die theilweise noch zu sehen sind, gegraben wurden. — Als vor Jahren die Bewohner Dröda’s noch nach Planschwitz in die Kirche gehen mußten, fuhr man einst im Winter ein Kind zur Taufe. Nach derselben packte man es wohlverwahrt auf den Schlitten und fuhr nach Hause. Im Stollen zu Magwitz angekommen, mußte man einen steilen Berg hinauffahren, daher kam es, daß das Kind aus dem offenen Schlitten hinten herausfiel.

Die Gevattern, welche vorn aufsaßen, merkten den Verlust nicht eher, als bis sie nach Hause kamen. Schnell kehrten sie zurück, um das Kindlein zu suchen, fanden es aber nicht wieder.

Seit jener Zeit hört man an jener Stelle dann und wann ein neugeborenes Kind weinen, und keinem Menschen fällt es ein, an der Thatsache zu zweifeln.
Die Sage auf einen Blick

Verstehen und nachschlagen
Zur Überlieferung
Schauplatz
- Heutiger Ort
- Magwitz (Oelsnitz/Vogtl.)
Historische Zuordnung
- Gebiet / Amt
- Amt Voigtsberg
Sammlung und Autor
- Autor
- Johann August Ernst Köhler
- Sammlung
- Köhler
- Werk
- Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande
- Jahr
- 1867
- Legacy-ID
- K321
Quellen
Johann August Ernst Köhler – Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande
Johann August Ernst Köhler, Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande, Leipzig 1867, Nr. 321. Der Kartenpunkt markiert Magwitz als räumlichen Anker der Sage. Der von Köhler als ‚Stollen‘ bezeichnete Wald mit ehemaligen Schächten ist heute nicht sicher punktgenau identifiziert.
