Überlieferung
Die Sage

348. Vom Drachen bei Reichenbach. (Mündlich.)
Es ist Vielen bekannt, daß große schwarze Ameisen Glück bringen, wenn man sie in einer Schachtel in den Geldkasten stellt. Einst hatte Solches Jemand erfahren und er that, wie er gehört hatte. Bald fand er auf dem Fensterbrette ein Häufchen Hirsebrei, das von dem Drachen herrührte. Der Hirsebrei mußte in den Ofen gesteckt und verbrannt werden, und da hat es in dem Ofen sehr gewüthet, als ob er zerspringen sollte.

Gewisse Familien haben den Drachen; derselbe kann auch einem Kinde, z. B. einer Tochter, wenn sie heirathet, mitgegeben werden. Es geschah einmal, daß ein Mädchen heirathete. Als der Kammerwagen vor der Thüre stand, hörte man im Stalle weinen; es war die Mutter, welche sagte: „Nimm ihn nur, ich bin zu alt und es wird noch mein Tod, wenn ich ihn behalte.“ Die Tochter sprach endlich: „Nun, da will ich ihn nehmen!“ Bald darauf geschah ein starker Knall und es fuhr aus der Esse heraus wie ein feuriger Besen und in des Bräutigams Haus zur Esse hinein.

Die Sage auf einen Blick

Verstehen und nachschlagen
Zur Überlieferung
Schauplatz
- Heutiger Ort
- Reichenbach im Vogtland
Historische Zuordnung
- Gebiet / Amt
- Amt Plauen
Sammlung und Autor
- Autor
- Johann August Ernst Köhler
- Sammlung
- Köhler
- Werk
- Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande
- Jahr
- 1867
- Legacy-ID
- K348
Quellen
Johann August Ernst Köhler – Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande
Quelle: Johann August Ernst Köhler, „Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andre alte Ueberlieferungen im Voigtlande“, 1867, Nr. 348.
